In Your Facebook

Facebook Verbraucherschutz Nutzungsbedingungen User Terms of Use–For English Version please see below –

Liebes Facebook,

spätestens, wenn Du als globales Unternehmen wegen Deiner Nutzungsbedingungen vom Bundesverband der Verbraucherzentralen wegen Verstoßes gegen geltendes Recht abgemahnt wirst, solltest Du Dir meines Erachtens spätestens in genau dem Moment Gedanken über die Qualität Deines Angebots machen.
(Vielleicht hätte dies auch schon vorher passieren können.)

Andererseits kannst Du verfügbare Energie natürlich auch weiter in nationale Business- und Lobby-Teams fließen lassen.
Und in PR-Texter für „Schön, dass Du da bist“-Prosa.

Ein Facebook-Nutzer
– Du weisst schon, wer.

* * *

Dear Facebook –

At the latest, if you, a global company, are admonished by the German Federation of Consumer Organisations (‚Bundesverband der Verbraucherzentralen‚) due to the terms of use you should worry no later than this very moment about the quality of service you provide.
(Perhaps this could have had happened in advance.)

On the other hand, you can also still spend available resources for national business und lobbying units.
And for pr texter who write ‚Nice to have you‘ prose.

A Facebook User*
*) You know who.

Advertisements

Die digitale Gesellschaft ist eine Minderheit

Toleranz BitteIch lebe in einer Region, deren Dialekt ich nicht spreche.
Ein Elternteil von mir ist aus seinem Heimatort in ein fremdes Land vertrieben worden.
Jemand von meiner Großeltern-Generation war im Außenlager eines Konzentrationslagers und im Zuchthaus wegen seines Widerstands gegen ein Regime inhaftiert.

Sind wir nicht immer in einer Situation, in der sich die Zugehörigkeit zu einer Herkunft, Gesinnung oder Orientierung herstellen lässt, die dazu führt, allein oder mit Wenigen gegenüber einer wesentlich größeren Gruppe mit anderer Ausrichtung zu stehen?

Nun nimmt sich die Gruppe der Landesrundfunkanstalten des Ersten Deutschen Fernsehens 2014 erstmals gemeinschaftlich des Themas Toleranz in einer ganzen Toleranzwoche an. Gedanklich, inhaltlich, organisatorisch wird eine ganze Woche mit redaktionellen Fernsehsendungen vorbereitet. Und entsprechend der Wettbewerbssitutaion mit anderen Sendern um die Gunst des Publikums wird dieser Programmschwerpunkt beworben. Die gewählten Mittel sind, verglichen mit den Motiven und Aussagen im Marketing der Wirtschaft, besonders international und im Kontext traditionelles Print vs. digitales Advertising betrachtet konservativ, beinahe mutlos.

ARD Themenwoche Toleranz Toleranzwoche Keyvisual

Menschen wie Du und ich – im Fernsehen

Dabei geht es um nur Toleranz, nicht um Akzeptanz. Und damit bricht, wäre es zu ahnen, nein geradezu erforderlich gewesen, ein Shitstorm im Social Web über die Programmmacher herein. Dabei ist noch keine Minute der geplanten Beiträge gesendet worden, geschweige denn, zur sorgfältigeren Sezierung in die ARD-Mediathek gestellt worden.

Immerhin huldigen doch etliche eben dieser Community doch gerade solche medialen Leuchttürme, die im TV ihre Brötchen mit gleichsam sensiblen wie Mut machenden Ansagen, Aussagen, Aufrüttlern, sei es Kleber, Gutjahr, oder vielleicht sogar noch das, was von Journalist @RegSprecher in seiner jetzigen Funktion übrig ist. Klar sind das ganz wenige prominente Grenzgänger zwischen Digital und TV (Digitalien und Ausstrahlien – arge Kalauer), schon allein wegen des entsprechenden Anteils an der Gesamtcommunitybevölkerung.

Aber FernsehredakteureProgrammverantwortliche und Moderatoren als Frontleute sind Menschen wie wir – nein, ich schreibe jetzt nicht: Digital Natives. Fernsehleute verfügen über ebenso viele Antennen in die Gesellschaft wie die Bandbreite der Gesellschaft, vielleicht sogar noch mehr. Hinzu kommt mit Glück eine gesunde Halbbildung plus erweiterte Grundkenntnise über Themenrecherche, Programmvielfalt, Massenkommunikation und, schluck, Gespür für gesellschaftliche Relevanz, mit Glück gegenwärtig und künftig.

Heult doch. Nicht jetzt schon.

Warum lassen wir sie also nicht erstmal ihr Ding machen und, sicher so gut wie sie können, abliefern, bevor die lockende Kampagne beharkt wird, die kritikwürdig ist, doch sicher mit dem folgenden Toleranzanspruch abzugleichen ist?
Hier und jetzt bereits vor dem Start am 21. November von „Verfehlung“ zu sprechen, ist schlichtweg– verfehlt.

Umgekehrt scheinen offenbar eigene Angehörige der Community nur noch über Seismographen entlang dieser, oder, was viel dramatischer wirken würde, einen trügerischen Sonar ins Ego für das eigene Verständnis von Welt.

Eines zeigt die digitale Entrüstung immerhin ganz deutlich:

Die digitale Gesellschaft unterscheidet sich von der analogen um keinen Deut. Denn sie ist eins mit ihr, lediglich die Mittel der kommunikativen Verbreitung von Meinungen sind unterschiedlich – bevor die Leser der analogen Angebote zu digitalen Nutzern werden.

Ich stehe hinter dem Grundgedanken, zuerst Toleranz zu fördern, nicht weinend und keifend auf die Minderheitenseite hinüberzurutschen und – dabei womöglich blind vor Tränen und Wut – auszukeilen und auszuteilen. Denn dies ist immer der erste Schritt, besonders dann, wenn davon weit verbreitet nur wenig exisitiert – siehe: „Mein Haus, mein Garten, mein Auto (Berühren? In Deutschland?), mein Parkplatz, meine Vorfahrt.“

Was macht es uns schon aus, wenn andere Toleranz anders bewerben, als wir es uns vorstellen? Wann haben wir den Missionierungsgedanken des Fernsehens das letzte Mal für stark genug erachtet?

Erst wenn die letzte Minute gesendet ist, werdet Ihr wissen

Wenn die Themenwoche am Ende des Tages der letzten Sendeminute bewirkt hat, dass auch nur eine Handvoll Zuschauer angeregt wird, über mehr Mitmenschlichkeit und weniger negativer Einstellung gegenüber Vielfalt unter Menschen nachzudenken, und als Glanzpunkt Motivationen und Einstellungen verändern, ist schon mehr erreicht als jeder Einzelne vielleicht je schaffen könnte.

Andernfalls haben offensichtlich nicht schon 2014. Sondern erst.

Wie Sascha Lobo den digitalen Mainstream #rp14 abwatscht

Sascha Lobo Rede republica 2014 #rp14

Sascha Lobo wirkt einen weiteren Layer in sein Ikon ein: politische Tragfähigkeit. Zum Auftakt der re:publica 2014, auf dem Silbertablett der Prime-Time der Digitalkonferenz, stupst er die Community in die eigene Abgaswolke das Vakuum, was angesichts aller Liebe zum Detail für eigenen Kram für zentrale Themen wie Netzneutralität und NSA-Überwachung übrig bleibt – nämlich nichts.

„Was hat man tatsächlich ernsthaft getan?“

Community Digitale Gesellschaft Sascha Lobo Rede republica 2014 #rp14Mittels eines substanziellen Hinweises auf einen Nukleus des Web, das Engagement aller Beteiligten, hält er der allzu bequemen Community den Spiegel vor, zwar auf seine eigene, leichte Berliner Art, doch auf den Punkt gebracht und vielleicht gerade noch im richtigen Moment.

„Es hat sich bisher praktisch nichts verändert, was die Überwachungssituation des Internet angeht. Und Ihr fangt an, Euch für andere Sachen zu interessieren, was völlig in Ordnung. Aber fangt auch an, Euch nur noch für andere Sache zu interessieren, und das ist eine Katastrophe.“

Sascha Lobo Kritik Rede republica 2014 #rp14Petitionen, seien sie noch so ad-hoc aufgesetzt, werden munter geklickt, weil das so schön bequem ist. Echte Unterstützung erhalten die rührige Digitale Gesellschaft und langjährig engagierten Aktivisten wie Blogger Markus Beckedahl mit netzpolitik.org nicht oder nur selten.

Und die anwesenden Herrschaften im Publikum der #rp14, die auf Entertainment warten? Sie sind amüsiert und lachen. Es wirkt geradezu, als wüssten sie immer noch nicht, dass es ohne freies, neutrales Internet nicht nur mit dem vielzitierten digitalen Klassentreffen gewesen sein dürfte.

Eine Zusammenfassung der Situation und seiner Rede lieferte Sascha Lobo im Prinzip bereits selbst vorab, in seiner Kolumne S.P.O.N – Die Mensch-Maschine bei Spiegel Online am 25. März 2014:

„Doof: der Netzöffentlichkeit fehlen Haltung und Instrumente, um ihre Aufgabe in der Mediendemokratie zu erfüllen. Lasst sie uns erschaffen!“

Wer sie dennoch sehen möchte: Hier ist das Video der sehenswerten siebzigminütigen Rede in voller Länge:

– Quelle: Sascha Lobo auf der re:publica 2014 via YouTube

Disclaimer: Ich nutze das Internet seit 1991 und verdiene als Kommunikationsberater meinen Lebensunterhalt damit.

So wohnt Carrie Bradshaw wirklich

Video Sarah Jessica Parker New York Appartement SATC Door VogueSo, Mädels, wenn Ihr schon immer gefragt habt, wie es wohl hinter der Haustür der wohl bekanntesten (fiktiven) New Yorkerin aussieht: Sarah Jessica Parker hat jetzt für ein Interview den Blick auf ihr das Interieur ihrer Wohnung freigegeben, um dabei in rund fünfeinhalb Minuten ein Stakkato von insgesamt 73 Fragen über sich ergehen zu lassen willig zu beantworten.

Video Sarah Jessica Parker New York Appartement SATC Door VogueWas uns möglicherweise wirklich interessiert: Wir erhaschen, dank des Videoreporters vom Vogue Magazin, einen Blick darauf, wie der Star aus der TV-Serie Sex And The City tatsächlich wohnt. Nämlich: Mit einer flaschengrünen Couch im Epizentrum des Wohnraums, mehr als einem Leuchtglobus auf dem Schrank – alle eingeschaltet – und einem ziemlich hässlichem Teppich im Treppenhaus. Immerhin: Ihre Antworten auf den FAZ-artigen Fragebogen sind amüsant. Darunter: Sie nutzt lieber Instagram als Twitter.
Doch seht selbst – das Video in voller Länge:

– Quelle: American Vogue via YouTube

Viralvideo nach Niedriglohn bei EDEKA: Supergeil oder taktlos?

Screenshot EDEKA Friedrich Liechtenstein Supergeil Video

In 2014 ist EDEKA kein Dorfkaufmann mehr. Der Lebensmittel-Riese, der einst als „Einkaufsgenossenschaft der Kolonialwarenhändler“ gegründet wurde, hütet und pflegt sein Image aufwändig, auch unter Bloggernmit Liebe. Nun hat der Konzern eine zeitgemäß anmutende Kampagne gestartet. Diese kommt locker-flockig als Musikvideo daher und platziert eine deutlich aufgeladene Botschaft: Seht her – alles ist einfach und wir sind die Größten! – #supergeil

– Quelle: EDEKA via YouTube

Die Intonation „Super geil“ des Berliner Entertainers Friedrich Liechtenstein kommt uns dabei sehr bekannt vor: „Alles super“ (Aral) und „Ich bin doch nicht blöd“ (Media Saturn)  lassen grüßen. Ein wenig Bohème á là Lady Marmalade, ein paar Anleihen an Joel Landi Signor Valmano und dazu eine Prise „It’s cool, man“ (Milka). Beim genauen Hinschauen lassen sich sogar Moleküle von „Super Ingo“ (zuletzt RWE, ehemals DEA) erkennen. Damit ist fix die grobe Image-Politur angerührt. Die beauftragte Kreativabteilung bei Jung von Matt/Elbe musste hier sicher nicht so weit springen.

– Quelle: Milka (1994) via YouTube

Was dabei gleichermaßen gelassen wie verstörend zynisch wirkt, ist die inhaltliche Aussagekraft. So kann der Werbeclip etwa auch als Antwort auf die zuletzt in den Medien aufgegriffenen Probleme der Marke EDEKA betrachtet werden. Dabei ging es um Leiharbeiter, die teilweise zu Niedriglöhnen in einzelkaufmännisch geführten Filialen beschäftigt worden sind. Diese Märkte machen einen erheblichen  Teil der EDEKA-Lebensmittelkette aus. – Dazu schrieb Spiegel Online:

[In den privat betriebenen Märkten orientieren sich einige der Inhaber] an den Bedingungen der Regiemärkte. Doch nach Ver.di-Angaben werden in den meisten Fällen Löhne gezahlt, die durchschnittlich 30 Prozent unter Tarif liegen. […] Nicht selten wird ein Teil der Belegschaft auch durch Leiharbeiter ersetzt, heißt es bei Ver.di. Außerdem gibt es der Gewerkschaft zufolge in den mehr als 6000 privat betriebenen Läden nur rund 40 Betriebsräte.

In einem ähnlichen Zusammenhang des Missbrauchs von Leiharbeit bei Franken-Gut, einer EDEKA-Tochtergesellschaft, berichtete das ZDF-Magazin Frontal 21:

– Quelle: YouTube

Die Rechercheergebnisse, von auch von TV-Journalisten der Frankenschau des Bayerischen Fernsehens, wurden seitens des Unternehmen zurückgewiesen.

Sicher wird der Ansatz dieses Social Media Marketing viral möglicherweise recht wirksam sein. Dennoch hinterlässt eine zeitlich derart nah folgende Aktion einen Beigeschmack, welcher einem Management, dass wirklich an Verantwortung oder CSR interessiert ist, kaum passen dürfte.

Screenshot EDEKA Friedrich Liechtenstein Supergeil Video 2

Wir lieben Lebensmittel.“ Man möchte ergänzen – nicht so sehr manche Mitarbeiter.
Sozial verantwortungsbewusste Kommunikation sieht anders aus.

Screenshot EDEKA Friedrich Liechtenstein Supergeil Video 3

– Alle Screenshots: EDEKA via YouTube