Leben wie die Schweden [Video]

LikeASwede TCO Schweden Kampagne 2014 Video StillDer Traum vom freien Leben und Arbeiten UND als Bürger in einem Wohlfahrtsstaat sind wohl die Träume, die die meisten von uns haben, wenn es um das Bild einer Gesellschaft geht, wie sie wünschenswert sei. Umgekehrt lassen sich diese beiden Modelle in einem Land mit freier und demokratischer Prägung wohl kaum noch zusammenbringen, angesichts der Globalisierung der Wirtschaft, unterschiedlichen Sozialsystemen und darin vorgesehenen Sozialleistungen, gesellschaftlichen Veränderungen angesichts Migration aus  unterschiedlichen Beweggründen und dem Anstieg des Wunsches nach persönlichem Wohlstand bei sinkender Arbeitszeit vor allen anderen individuellen und familiären Zielen.

Und in Wirklichkeit?

TCO Schweden Kampagne 2014 LikeASwede Video Clip StillDie Initiative Like a Swede ist Teil einer Kampagne des schwedischen Gewerkschaftsbundes TCO, um über das schwedische Modell der Work-Life-Balance zu informieren – in einer eher ungewöhnlichen Kooperation von Gewerkschaften und Arbeitgeberorganisationen.

Der Clip zur Kampagne hat inzwischen 220.000 Views auf YouTube, mit weitgehend positiven Reaktionen, besonders in den sozialen Medien und mit wachsender internationaler Beachtung. Besonders in den USA  verbreitet sich der Videoclip nun unerwartet, obwohl der Film ursprünglich für ein schwedisches Publikum gedacht ist und nur in Los Angeles gedreht wurde, um die Gegensätze gegenüber Schweden zu verdeutlichen.

Inzwischen greifen US-amerikanische Medien den Film auf und erläutern ihren Lesern  Details der Elternzeitregelung, Krankenversicherung und des Urlaubs in Schweden sowie Unterschiede zur brodelnden Situation seit #ObamaCare im eigenen Land.

– Quelle: tcofilm via YouTube

Wie es in der Seele der schwedischen Bürger wirklich aussieht, kannst Du auf der Website Study in Sweden nachlesen.
Zudem hat die Universität von Umeå in einer Studie untersucht, was den schwedischen Lebensstil ausmacht – Auszug: „They will ask you once and then accept your first answer.“

TCO Schweden Kampagne 2014 LikeASwede VideoAch ja, und so fahren die Einwohner von Stockholm U-Bahn – zumindest einmal im Jahr, beim No Pants Subway Ride:

– Quelle: No Pants Subway Ride via YouTube

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Mediale Impressionen: Röttgen, Klub Konkret, Luhukay, Of Monsters And Men

Norbert Röttgen ist kein Opfer der Willkür von Bundeskanzlerin Angela Merkel’s Leitlinienkompetenz. Er ist ein Machtpolitiker, der sich schlichtweg taktisch – nicht strategisch – verzettelt hat. Im Zusammenhang interessiert die Wähler in Nordrhein-Westfalen, und nur diese, Europapolitik nicht. Nichtwähler zählen ohnehin nicht, einerseits wie andererseits. Und Wähler braucht die Regierungskoalition langfristig, wenn’s um die Wurst Bundestagswahl 2013 geht, ist ein, wenngleich ein nordrhein-westfälischer To-Go-Politiker mit 26,2 % Wählerzuspruch bei 59,6% Prozent Wahlbeteiligung momentan nicht hilfreich genug.

Die ARD hat, wie alle öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten, ein Generationenproblem hinsichtlich Programmgestaltung und Zuschauergunst. Die Lösung wird sicher nicht einzig und allein Social TV sein. Sowohl Joko & Klaas in neoParadise als auch rundshow erscheinen zwar gerade brennend, hell leuchtend, aber eben doch wie Stroh-Feuer.
Die fortlaufende Berichte über den State-of-Mind seitens des Elektrischen Reporter Mario Sixtus, der evangelisierende Partner-Auftritt der Mediathek-Redaktion zur re:publica 2012 – alles kleine Bausteine auf dem Weg, die Lücke zwischen Rentner-TV á là ZDF-Fernsehgarten und YouTube 24/7 und All Night Long zu schließen.
Das neue Format Klub Konkret, das am 2. Mai im ebenso neuen EinsPlus gestartet ist, wirkt wohltuend, überlegt, ambitioniert. Gute, weil brennende Themen, authentische, sichtbar handgemachte Begleitung im Social Web, keine – überflüssige – Überblogger-Begleitung zum Start, eine unprätentiöse, bisschen verspielte Moderatorin Franziska Storz und vor allem echte Menschen ohne jene Local Heroe-Attitüde. Das Magazin wirkt bislang sehenswert und passend, nicht nur weil es gesellschaftskrtisch und dosiert politisch ist, sondern da bisher offen und zukunftsweisend an Situationen und Themen herangeht wie die spanische Bewegung um die Proteste, sondern auf ganz positive Weise versucht, in Beiträgen und Interviews Lösungen zu finden.
Die verfügbaren Beiträge gibt’s auf YouTube; hier ist die Premiere-Folge zum Anschauen:

Jos Luhukay ist auf geheimer Mission: Er wird nun eine Aufgabe übernehmen, die von vornherein nicht von Otto Rehhagel zu lösen war – für Markus Babbel in seinem Sinne auch nicht. Der Job ist nicht, die Bundesliga-Mannschaft von Hertha BSC in die DFL-Bundesliga zu führen, sondern als Angestellter in der Geschäftsstelle von Michael Preetz zu wirken. Dessen Vorgänger Dieter Hoeneß habe ich einst in der Geschäftsstelle am Olympiastadion zufällig gemeinsam mit Uwe Seeler erlebt. Damals zu jetzt ist das ein Unterschied wie Tag und Nacht, auch, wenn’s Berlin ist.

Die isländische Band Of Monsters and Men („Little Talks“) ist schön und schräg unterwegs, nun auf Tour, erstmal in Nordamerika. Kürzlich sind die Newcomer im Morgenmagazin aufgetreten, auf der „kleinsten Fernsehbühne“ Europas, wie Moderatorin mehrfach wie überflüssig betonte. Skurril ist auch die Promotion-Planung ihres Plattenlabels: Die sorgt dafür, dass die sympathischen Isländer im Westküsten-Hinterland von Vancouver über Washington und dem „Live 105 BFD“ in Mountain View – wer erinnert sich hierbei an Netscape? – und Denver in sommerlichen Rocky Mountains bis runter nach Arizona touren und zudem ab durch die Mitte von England. Da passt zwischendurch locker noch das Noorderzon Festival in Groningen – Eintritt frei – rein.

Die Zeit heilt alle Wunden – besonders die von Guttenberg

Karl-Theodor zu Guttenberg

Der Abgang war von Schimpf und Schande begleitet: Im März 2011 Jahr trat Karl Theodor Freiherr von und zu Guttenberg von seinem Amt als Bundesminister der Verteidigung der Bundesrepublik Deutschland zurück, nachdem aufgeflogen war, dass er seine Promotionsarbeit zum nachträglich aberkannten Doktortitel der Rechtswissenschaft vorsätzlich von anderen Veröffentlichungen abgeschrieben hatte.

Nun trat er medial wahrgenommen erstmals wieder öffentlich auf – im fernen Kanada bei einem Plenum für Sicherheitsfragen, dem Halifax International Security Forum. Während einer Debatte zur Finanzkrise äußerte er sich pessimistisch zu den aktuellen Entwicklungen in Europa, indem er von einer „Krise der politischen Führung“ in der Europäischen Union sprach. Dies passt kommunikativ ideal: Inhaltlich passend zu seinem zuletzt verantworteten Bereich, fokussiert transatlantisch, weil es so schön dem „Mir san mir„-Selbstverständnis geschmackvoll staffierter Herrenclubs der nordwestlichen Hemisphäre entspricht und eben dosiert zur konsequenten Flankierung des erscheinenden Buches.

Wie bitte?! In der Tat: Giovanni di Lorenzo, seines Zeichens Chefredakteur der Hamburger Wochenzeitung DIE ZEIT und Moderator der „3 nach 9“ Talkshow für gesunde Halbbildung, von Radio Bremen, hat ein Buch über Guttenberg, vielmehr: mit Guttenberg in Interviews verfasst. Das ist kaum überraschend, war es doch di Lorenzo, der Guttenberg bereits in der Phase vor dessen Rückzug quasi ein mediales Freiticket ausstellte – Zitat:

Mit seiner Befähigung als Minister hat die Dissertation aber nichts zu tun. Die Aussicht jedoch, dass jeder, der ein politisches Amt bekleiden soll, auch sein Vorleben auf jeden Makel durchleuchten lassen muss, ist nicht nur abschreckend, sie ist weltfremd.

Es liegen mehrere Anzeichen auf der Hand, die auf den bevorstehenden Aufstieg reloaded einzahlen:

  • Der taktische klug formulierte Titel ob der Wirkung „Vorerst gescheitert„. Weinerlich nur im ersten Anklang, jedoch in der Gesamtheit absolut zielstrebig und fordernd.
  • In den ersten Tagen seit dem Start zeichnet sich bereits das Potential für einen Spitzenplatz auf den vorweihnachtlichen Bestseller-Listen der Buchverkäufe ab.
  • Die Staatsanwaltschaft Bayreuth hat das Verfahren gegen Guttenberg eingestellt. Strafrechtlich betrachtet ist die Angelegenheit damit soweit erledigt.
  • Eifrige CSU-Parteifreunde wünschen sich offenbar nichts inniger als eine Rückkehr des einst so populären Adligen und können dies nun auch wieder öffentlich äußern: „Er gehört zu uns, wir wollen ihn“, sagte der Ministerpräsident von Bayern.
  • Für ein günstiges Guttenberg-Comeback verfügt Zeit-Chefredakteur über ein Idealszenario. War doch auch die von ihm co-moderierte Freitagabend-Talksendung einst eine Fernsehbastion eines neo-kritischen Bildungsbürgertums mit Spät-68er Attitude wider dem aufkeimenden Kommerz in öffentlich-rechtlichen und privaten Fernsehsendern der achtziger und neunziger Jahre. Nun kann in dem medialen Umfeld eine Art Politik-Greenwashing mit Trojanisches-Pferd-Funktiongeschehen – qua der Rolle als Meinungsbildner.

Doch denkt da jemand: Gibt es für einen (ex-) Bundespolitiker einen glaubwürdigeren, massenwirksameren Weg, als mittels einer linksliberalen Über-Zeitung wie der ZEIT die Comeback-Strategie umzusetzen als diesen?
Ich meine schon: Nämlich sich brav (wieder-) wählen zu lassen, gute Arbeit für die Auftraggeber, das Volk, kontinuierlich aufs Neue zu initiieren und ergebnisorientiert zu erledigen und sich schließlich glaubwürdige, unverfälschte Anerkennung zu verdienen. Und zwar in mehr als einem Anflug von Demut über die Zeit sowohl im sichtbar-tauglichem Plenem und in nicht wahrgenommenem, aber arbeitsamen Parlamentsausschüssen als auch, yeah!, im heimatlichen Wahlkreis.

So wage ich eine Prognose: In zwei Jahren, sagen wir im Anfang 2013, wird Guttenberg sich zurück platziert haben, dank freundlicher Unterstützung aller Medien und des Zeit-Chefredakteurs, dessen Supposed-to-be-Bestseller, nach ausverkauften Lesereisen von Winter bis Frühjahr 2012. Dazu wird es nicht mal des Überraschungsgastes Guttenberg himself in den Metropolen-Buchhandlungen bedürfen. Ja, und die Springer Medien, allen voran Fanzine BILD Zeitung und gleichfalls meist wohlgesonnenene WELT werden sich über das Motiv der Integrationsfigur hierfür womöglich inhaltlich an den linkskonservativen Rand – für Kenner: die Mitte – herangearbeitet haben. Und viele Monarchisten und ähnliche Symbolfigur-Hungrige ein wahlweise langersehntes, für andere eher überflüssiges Hebel-Werk im Regal stehen haben (immerhin bedeutet das die erste Idee für ein Weihnachtsgeschenk).

Und irgendwie hat die Zeit dann womöglich doch alle Wunden geheilt, auch ohne Doktor.

Wie „Unser Song für Baku“ ein Statement für Freiheit in Aserbaidschan werden kann #esc12

Baku vor ESC12
Foto: arte

Auf der Twitter-Seite des aserbaidschanischen Staatspräsidenten Ilham Aliyev steht in großen Buchstaben: “ We turn initiatives into reality!“ – Wir machen aus Vorhaben Wirklichkeit. Das wohl bedeutendste Projekt in der noch jungen Geschichte des Landes am Kaukasus, das seit 20 Jahres unabhängig ist, wird ganz offenbar Austragung des European Song Contest 2012 (ESC12) in der Hauptstadt Baku sein. Doch das Mega-Ereignis, als Gemeinschaftsproduktion der federführenden European Broadcasting Union (EBU) in weite Teile Europas übertragen, hat Schattenseiten, die so gar nicht zu dem erstaunlichen Entertainment Joint-Venture zwischen der öffentlichen-rechtlichen Gemeinschaft der Fernsehanstalten ARD sowie den Medienunternehmen ProSieben und Brainpool (TV-Produktiongesellschaft, u.a. Stefan Raab) passen. Immerhin lagen sich sich die Partner beim öffentlich überraschenden, doch offenbar strategisch ins Kalkül gezogenen Lena-Erfolg bislang fast zwei Jahre über so viel Euphorie und kommerziellen Erfolg in den Armen.

Baku vor ESC12
Foto: arte

Die Tränen des Glücks verschleiern hoffentlich nicht allzu sehr den Blick auf das Wesentliche: Nämlich eine dauerhafte Demut angesichts persönlicher Freiheit, einer Freiheit der Meinung, der Rede und des Ausdrucks von Protest gegen herrschende politische Situationen. Schließlich gehört auch Freiheit der journalistischen Berichterstattung dazu, samt deren Vielfalt. Neben allem Geschäftsbetrieb einiger ESC-Beteiligten für ständige Unterhaltung bedeutet es darüber hinaus Verantwortung, Informationen beizusteuern. Und dies mehr, als bloß die Facette, junge Künstler-Talente ins Licht der Öffentlichkeit zu zerren fördern und kommerziell auszuschöpfen. Das ist eine echte Gelegenheit zu Verantwortung und Positionierung neben der gegenwärtigen Omnipräsenz von Musik, Casting und Voting – all over the nations, allover the world. Denn im gleichen Atemzug bedeutet dies konkret die reelle Chance, bei großer Aufmerksamkeit auf unerträgliche Situationen hinzuweisen und dabei zu helfen, diese zu verbessern.

Baku vor ESC12
Foto: arte

So wie die des Studenten Elnur Majidli, der von Frankreich aus gegen die Regierung in seiner Heimat vorzugehen versucht. Die letzten Wahlen dieser Regierung hat die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE), welche als unabhängiges Gremium die politische Partizipation und Prozesse in den Mitgliedstaaten überwacht, als nicht frei bezeichnet:

„Certain conditions necessary for a meaningful and competitive election were lacking in these elections. The fundamental freedoms of peaceful assembly and expression were limited and a vibrant political discourse facilitated by free and independent media was almost impossible.“

Dem Blogger Majidli drohen  in seiner Heimat eine Anklage wegen Aufrufs zum Umsturz und bis zu zwölf Jahre Haft, weil er in seinem Blog die Bevölkerung in Aserbaidschan dazu aufforderte, auf Demonstrationen Widerstand gegen das Regime zu leisten. Der deutsch-französische Fernsehsender arte berichtete jetzt über den engagierten Blogger, der inzwischen in Frankreich um politisches Asyl ersucht hat und Schutz im Maison des Journalistes in Paris erhält.

Angesichts der herrschenden Rahmenbedingungen würde es den gemeinsamen Anstrengungen des Dreigestirns ARD / ProSieben / Brainpool für mehr gute Unterhaltung außerordentlich gut zu Gesicht stehen, die Gelegenheit beim Schopf zu packen und etwas zu unternehmen in Sachen Engagement und Förderung der Jugend vor Ort. Das hat als Initialzündung für Oslo gut geklappt, in Düsseldorf – wenn auch bombastisch selbstverliebt – auch noch. Nun hoffe ich, dass daraus für Baku 2012 eine echt zündende Bewegung entsteht.

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Informationen zu Land und Situation gibt dieser Beitrag des Magazins „Mit offenen Karten„:

– Quelle: arte via YouTube