Wie „Unser Song für Baku“ ein Statement für Freiheit in Aserbaidschan werden kann #esc12


Baku vor ESC12
Foto: arte

Auf der Twitter-Seite des aserbaidschanischen Staatspräsidenten Ilham Aliyev steht in großen Buchstaben: “ We turn initiatives into reality!“ – Wir machen aus Vorhaben Wirklichkeit. Das wohl bedeutendste Projekt in der noch jungen Geschichte des Landes am Kaukasus, das seit 20 Jahres unabhängig ist, wird ganz offenbar Austragung des European Song Contest 2012 (ESC12) in der Hauptstadt Baku sein. Doch das Mega-Ereignis, als Gemeinschaftsproduktion der federführenden European Broadcasting Union (EBU) in weite Teile Europas übertragen, hat Schattenseiten, die so gar nicht zu dem erstaunlichen Entertainment Joint-Venture zwischen der öffentlichen-rechtlichen Gemeinschaft der Fernsehanstalten ARD sowie den Medienunternehmen ProSieben und Brainpool (TV-Produktiongesellschaft, u.a. Stefan Raab) passen. Immerhin lagen sich sich die Partner beim öffentlich überraschenden, doch offenbar strategisch ins Kalkül gezogenen Lena-Erfolg bislang fast zwei Jahre über so viel Euphorie und kommerziellen Erfolg in den Armen.

Baku vor ESC12
Foto: arte

Die Tränen des Glücks verschleiern hoffentlich nicht allzu sehr den Blick auf das Wesentliche: Nämlich eine dauerhafte Demut angesichts persönlicher Freiheit, einer Freiheit der Meinung, der Rede und des Ausdrucks von Protest gegen herrschende politische Situationen. Schließlich gehört auch Freiheit der journalistischen Berichterstattung dazu, samt deren Vielfalt. Neben allem Geschäftsbetrieb einiger ESC-Beteiligten für ständige Unterhaltung bedeutet es darüber hinaus Verantwortung, Informationen beizusteuern. Und dies mehr, als bloß die Facette, junge Künstler-Talente ins Licht der Öffentlichkeit zu zerren fördern und kommerziell auszuschöpfen. Das ist eine echte Gelegenheit zu Verantwortung und Positionierung neben der gegenwärtigen Omnipräsenz von Musik, Casting und Voting – all over the nations, allover the world. Denn im gleichen Atemzug bedeutet dies konkret die reelle Chance, bei großer Aufmerksamkeit auf unerträgliche Situationen hinzuweisen und dabei zu helfen, diese zu verbessern.

Baku vor ESC12
Foto: arte

So wie die des Studenten Elnur Majidli, der von Frankreich aus gegen die Regierung in seiner Heimat vorzugehen versucht. Die letzten Wahlen dieser Regierung hat die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE), welche als unabhängiges Gremium die politische Partizipation und Prozesse in den Mitgliedstaaten überwacht, als nicht frei bezeichnet:

„Certain conditions necessary for a meaningful and competitive election were lacking in these elections. The fundamental freedoms of peaceful assembly and expression were limited and a vibrant political discourse facilitated by free and independent media was almost impossible.“

Dem Blogger Majidli drohen  in seiner Heimat eine Anklage wegen Aufrufs zum Umsturz und bis zu zwölf Jahre Haft, weil er in seinem Blog die Bevölkerung in Aserbaidschan dazu aufforderte, auf Demonstrationen Widerstand gegen das Regime zu leisten. Der deutsch-französische Fernsehsender arte berichtete jetzt über den engagierten Blogger, der inzwischen in Frankreich um politisches Asyl ersucht hat und Schutz im Maison des Journalistes in Paris erhält.

Angesichts der herrschenden Rahmenbedingungen würde es den gemeinsamen Anstrengungen des Dreigestirns ARD / ProSieben / Brainpool für mehr gute Unterhaltung außerordentlich gut zu Gesicht stehen, die Gelegenheit beim Schopf zu packen und etwas zu unternehmen in Sachen Engagement und Förderung der Jugend vor Ort. Das hat als Initialzündung für Oslo gut geklappt, in Düsseldorf – wenn auch bombastisch selbstverliebt – auch noch. Nun hoffe ich, dass daraus für Baku 2012 eine echt zündende Bewegung entsteht.

–––

Informationen zu Land und Situation gibt dieser Beitrag des Magazins „Mit offenen Karten„:

– Quelle: arte via YouTube

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