Sieben Milliarden Menschen sind 7 Milliarden Sender und Empfänger


Ich starte mein Blog an dem Tag, an dem wir gegenwärtig sieben Milliarden Bewohner auf der Erde sind. So wollen es die United Nations (UN) wissen oder zumindest festlegen.

Betrachten wir dies als reinen Zufall.

In den 1970er Jahren habe ich einen Atlas mit historischen und geografischen Lexikonangaben in den Händen gehalten, in dem die Weltbevölkerung mit 4 Milliarden geschätzt wurde.

Indien etwa umfasste damals geschätzte 450 Millionen, heute leben auf dem Subkontinent über 1 Milliarde. Heute dürfte der Platz dort allmählich knapper werden, trotz der Größe des Landes.

In Deutschland galt lange die Annahme, das wir richtig viele sind. Zugegeben: viele auf kleiner Fläche, derzeit sind das etwa 82 Millionen Einwohner. Inzwischen ist die Tendenz der hiesigen Bevölkerungsentwicklung deutlich abnehmend.

Der britische Guardian hat die Merkmale der Staaten im Zusammenhang mit deren gemäß UN geschätzter Population heute in einer interaktiven Grafik dargestellt.

Die Details für Deutschland zeichnen dieses Bild:

Weltbevölkerung: Deutschland– Quelle: Guardian via FlowingData

Die Kommunikation in der Gesellschaft, Politik und Wirtschaft – jeweils für sich – steht angesichts dieser gewaltigen Entwicklungen der Erdbevölkerung vor Aufgaben, deren Umfang sich kaum abschätzen lassen.

Das Zusammenspiel in Dialogen funktioniert in der Regel recht linear: Einer sendet eine Information und der andere, der Empfänger, nimmt diese auf, vergleicht sie – bewusst oder unbewusst – mit seinen Verständnisdimensionen und individuellen Interessen. Tritt eine Übereinstimmung ein, auch teilweise, gilt die Kommunikation als etabliert.

Das klingt theoretisch. Und das ist es auch.

Bei sieben Milliarden Menschen finden gleichwohl nicht nur Dialoge zwischen jeweils zwei Menschen statt, sondern zwischen vielen – mit dem persönlichen Umfeld, in Partnerschaften, in der Familie, dem Bereich der sozialen oder wirtschaftlichen Betätigung wie der täglichen Arbeit. Hinzu kommt der Informationsfluss in frei gewählten Engagements, darunter Vereine und Initiativen.

– Quelle:NPR on YouTube, via Graphic Sociology

Täglich kommen zusätzliche Kontaktpunkte hinzu (und verschwinden wieder) wie zufällige Bekanntschaften und Begegnungen: an der Tankstelle, im Bus oder der U-Bahn, im Supermarkt, auf Reisen am Flughafen und in der fremden Stadt, dem momentanen Aufenthaltsort.

Und dort erreichen den Einzelnen weitere Informationen, Aussagen, Botschaften, Meinungen. Das können zufällig aufgeschnappte Gespräche auf der Straße sein, Dialoge am Arbeitsplatz, Vorträge und Diskussionen bei Veranstaltungen.

Die Medien traditioneller Art, bekannt als Massenmedien, so etwa das Fernsehen und Printmedien wie Tageszeitungen wirken zusätzlich auf die Individuen ein, ergänzt von diversen elektronischen Medien wie E-Mails und Newsletter.

Mit digitalen Medien, besonders Social Media, werden diese herkömmlichen Einwirkungen auf Informations- und Interaktionsebene um ein Vielfaches erweitert, technischen Zugang und persönliche Bereitschaft vorausgesetzt.

Die milliardenfache Kommunikation, die nun auf personalisierter Ebene verfügbar, durch mobile Geräte nahezu flächendeckend nutzbar ist und sich in Echtzeit initialisieren lässt, stellt die Sender vor immense Herausforderungen. Die Aufgabe wird es nicht nur sein, mit negativ eingestuften Situationen, Meinungen, Bewertungen, Kritik umzugehen.

Tatsächlich bedeuten diese Ströme an Informationen ein fortwährendes Vorantreiben von Entwicklungen, Austausch und Wissen. Analog dazu entstehen im Kontext der Gesellschaft politische vertretbare Identifikation, Mehrheit, Konsens. Ad-hoc aufgebaut und beinahe ebenso schnell abbaubar.

Für den Einzelnen lassen sich bestimmte Aspekte mitunter kaum noch einordnen, bewerten und auf der individuellen Ebene für mehr oder weniger relevant erachten. Mit einer konstanten Ausnahme: Die Information ist persönlich aufgenommen, erlebt worden.

Allein im Erlebnis liegt die Chance für die Sender begriffen: Die Schaffung von „echten“ Momenten in unmittelbaren Situationen bedeutet Authentizität aufzubauen, Verständnis zu wecken, Zustimmung zu erlangen.

Unter dauernder Einwirkung von real-time, mitunter Augenzeugenberichten, in den Statusleisten – Timelines – sozialer Netzwerke und durch Mikroblogging entsteht der Eindruck, ständig mitten im Geschehen zu sein.

Die Crux ist: Es bleiben Berichte, in digitalen Dimensionen vielmehr geprägt von den subjektiven Vermittlern. Professionelle, objektive Schilderung von Aspekten, erlernte, klassische Berichterstattung, war gestern. Es herrscht das Momentum der Subjektivität. Die Akzeptanz dafür hat sich nicht eingeschlichen, sie hat wellenartig die Teilnehmer, Nutzer, User erfasst und zur Selbstverständlichkeit erhoben.

Flankiert wird dieser qualitativ anerkannte Wert des Geteilten von der sprachlichen Stärken der Annäherung: Statusmeldungen stammen von Freunden, Links werden von Kontakten empfohlen, Informationen sind von Personen, deren Stream wir abonniert haben. Schließlich. Darin steckt bereits Vertrauen vor dem Anfang von allem – kein Vorschuss, sondern darüber hinaus gleich das Entgegenbringen von Freundschaft, digitaler zumindest.

Immerhin lässt sich die Komplexität sozialer Verbindungen zumindest nachträglich, offline, herstellen. Auf Branchentreffs, Konferenzen, Clubmeetings, Abendveranstaltungen. Global versteht sich. Denn auf einmal bittet ein Teilnehmer des BarCamp Abidjan um Kooperation und niemand dürfte darüber sich wundern, sondern unterstützen.

Dabei kann ein Credo stabil sein. Ich glaube nur an das, was ich sehe, empfange.


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